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Gibt es auch eine Barrierefreiheit in der Werbung? 

Werbung für alle – wirklich für alle?

Allein in Deutschland leben ca. 16 Millionen Schwerhörige und ca. 581.000 Menschen mit einer Sehbehinderung. Diese nicht allzu kleine Gesellschaftsgruppe muss im Alltag sehr viele Abstriche machen. Warum also sollte es im Marketing und speziell in der Werbebranche nicht anders angegangen werden? Sollten diese Menschen nicht genau so wie alle anderen die Werbungen in TV, Zeitungen und sozialen Netzwerken genießen und konsumieren können?

In den letzten Jahren boomt die Werbebranche immer mehr. Mit den vielen verschiedenen Social Media Plattformen kam zu den herkömmlichen Printmedien und dem Fernsehen eine komplett neue Möglichkeit hinzu, wie sich ein Unternehmen vermarkten und seine Produkte bewerben kann. Die Ausgaben für Werbungen steigen immer weiter und werden nach der Corona Pandemie auch noch weiterhin steigen. In Österreich beispielsweise wurden allein im Jahr 2019 ca. 850 Millionen Euro für TV-Werbung auf Privatsendern ausgegeben.

Wie sieht Werbung im Moment aus?

Bilder in Zeitungen, Flyer auf Messen, Werbespots im Radio oder Werbefilme im TV. Diese bekannten Werbeformen sind jeden bekannt und werden von den meisten akzeptiert. Allerdings können sie nicht von allen Menschen in der Gesellschaft konsumiert, verstanden und verwendet werden. Diese wahrscheinlich noch viel größere Zahl an Schwerhörigen und Menschen mit einer Sehbehinderung ist in den wenigsten Köpfen der Menschen ein bewusster Gedanke, auch nicht bei den Menschen in der Werbebranche. Es werden Videos produziert, Texte geschrieben, Grafiken erstellt und Fotos geschossen. Jedoch sind diese Inhalte immer darauf ausgelegt, dass die Zielgruppe jeden der fünf Sinne verwenden kann und wird. Vor allem TV-Spots leben von dem Zusammenspiel von passenden Sounds und lebhaften, aktiven Videos. Wenn jedoch ein Mensch mit Seh- oder Hörschwäche versucht diese Werbemittel zu konsumieren, treten häufig Probleme auf, die die wenigsten Menschen in der Werbebranche bedenken.

Statistik Bruttoausgaben für TV Werbung

Ausgaben für TV-Werbung in Österreich

Probleme in Werbungen für seh- und hörgeschwächte Menschen

Blickt man zunächst auf die TV-Werbespots, fällt sofort das Zusammenspiel von Bild und Musik auf. Zusammen sind die beiden Elemente gut zu verstehen und zeigen der Zielgruppe die Besonderheiten der neuen Produkte. Fällt allerdings eines der beiden Elemente weg, so werden die Werbungen zu Videos oder Sounds, die nur noch schwierig oder gar nicht verstanden werden. Häufig wird Musik als Sound verwendet, ohne eine Stimme, die auf das präsentierte Produkt hinweist. Es werden Videos und Bilder gezeigt, die wenig, bis nichts mit der Musik und den Stimmen zu tun haben, wenn sie verwendet werden. Kurz: Wenn Bild und Ton nicht zusammen erlebt werden können, sind Menschen mit einer Seh- oder Hörschwäche meistens nicht in der Lage, diese Werbungen zu konsumieren bzw. zu verstehen.

Auch auf den vielen verschiedenen Social Media Plattformen, wie Instagram, Facebook, Twitter, TikTok und Co. ist es oft nicht einfach für diese Gruppe an Menschen. Von Bildern über Videos bis hin zu ausführlichen Artikeln ist hier alles zu finden. Allerdings nicht immer so, dass sie jeder konsumieren und verstehen kann. Gerade für blinde bzw. sehgeschwächte Menschen ist die Verwendung von Social Media nicht sehr einfach. Dabei nehmen die sozialen Netzwerke in der heutigen Gesellschaft einen so großen Platz ein und sind normalerweise unumgänglich.

Genau so ein Problem besteht auch bei dem immer weiterwachsenden Medium der Podcasts. Vor allem Spotify hat in den letzten Jahren den Fokus immer mehr auf die Verwendung von Podcasts gesetzt und diesen Bereich ausgebaut. Mittlerweile gibt es gefühlt zu jedem Thema einen Podcast – True Crime, Fußball, Formel 1, Harry Potter etc. Bei Interesse findet jeder einen passenden Podcast zum gewünschten Thema. Für blinde oder sehgeschwächte Menschen ist die Verwendung von Podcast perfekt. Sie können sich in Podcasts über das Weltgeschehen informieren oder sie einfach als Unterhaltungsmedium nutzen. Für hörgeschädigte Menschen ist das Medium Podcast leider nicht von Vorteil.

Welche Möglichkeiten von Werbung gibt es für seh- und hörgeschwächte Menschen?

Vor allem im Bereich der TV-Werbung besteht ein großer Handlungsbedarf, um auch über dieses Medium die Menschen mit einer Hör- oder Sehschwäche anzusprechen. Die Grundlage für die TV-Branche besteht schon seit langer Zeit bei einigen Nachrichtensendungen oder bestimmten Informationssendungen. Hier werden immer wieder Gebärden-Dolmetscher eingeblendet oder Untertitel angeboten. Könnten diese Möglichkeiten nicht auch für Werbespots verwendet werden? Wahrscheinlich ist die regelmäßige Verwendung von Gebärden-Dolmetschern zu kostspielig, die Verwendung von Untertiteln bei Werbespot sollte jedoch kein großes Problem darstellen. Vor allem bei Werbungen, die auf die verwendeten Stimmten in den Spots basieren und aufbauen, könnte es eine sinnvolle Möglichkeit sein, Untertitel einblenden zu können.

Bei den verschiedenen Social Media Plattformen wird in letzter Zeit deutlich, dass sie sich bemühen ihre Inhalte barrierefreier zu gestalten und somit auch die seh- und hörgeschwächten Menschen ansprechen wollen. Als erstes hat Instagram angekündigt, an Caption-Stickern für die Stories zu arbeiten. So soll es möglich sein, seine Stories mit automatisch generierten Untertiteln zu versehen. Darauf folgte ebenfalls TikTok , die eine Untertitel-Funktion gelauncht haben. Hier ist es nicht nur möglich die Videos mit automatisch generierten Untertiteln zu versehen, sondern diese auch im Nachgang zu bearbeiten und Fehler bei der Generierung zu korrigieren. Die Unternehmen, die sich mit Social Media Marketing beschäftigen bzw. mit Influencern zusammenarbeiten, könnten diese Möglichkeiten der Untertitel mehr nutzen und somit die Anzahl an potenziellen Kunden um eine Vielzahl erhöhen.

Beim Medium Podcast selbst kann nicht viel geändert werden, jedoch kann die Verwendung ausgeweitet werden. Bislang sind die Podcasts als Ratgeber, Informationsquelle oder Unterhaltungsmedium bekannt. Allerdings stellt dieses Medium eine sehr große Werbemöglichkeit für Unternehmen dar. Ein gutes Beispiel dafür ist Ikea. Das schwedische Möbelhaus-Unternehmen hat sich dazu entschieden seinen Katalog nicht mehr in Massen zu drucken und als analogen Katalog zu verteilen. Anstelle dessen wird der Ikea Katalog nun als Podcast rauskommen, worin in einzelnen Folgen die jeweiligen Wohnbereiche mit den passenden Produkten präsentiert werden. An diesem Katalog-Podcast können sich viele Unternehmen ein Beispiel nehmen und vielleicht ebenfalls die Werbung auf Podcasts ausweiten.

 

Ikea Katalog als Podcast

The Ikea Audio Catalog